WeinWiki - Rotweinland & Terroir

Was ist das besondere am Württemberger Weinland? Unser kleines WeinWiki erklärt es.

Rotweinland Württemberg

Württemberg ist das Weinbaugebiet in Deutschland mit besonderer Rotweinkompetenz - und einmalig in Deutschland: nur in Württemberg werden mehr Rotweine als Weißweine angebaut. Lemberger, Trollinger und Co. machen  70% der Rebsorten in den Württemberger Weingärten aus. 

Terrassierte Steillagen

Ab 50% (27 Grad Hangneigung) ist Handarbeit bei der Bewirtschaftung einer Weinlage gefragt. Bei einigen unser Weinerlebnistouren können Sie die oft mühevolle Arbeit in diesen besonderen Lagen live erleben. Die Weinerlebnisführer nehmen Sie mit auf eine Stäffelestour. Kreuz und quer führen die Stäffele, die Treppenanlagen durch die Terrassenweinberge.

Die Terrassenlagen sind aber auch besonders wertvolle Kulturlandschaften, in deren Trockenmauern eine einzigartige Flora und Fauna beheimatet ist. Die bekanntesten Steillagen im HeilbronnerLand sind der Lauffener Kartzenbeisser und das Gundelsheimer Himmelreich. Direkt am Neckar gelegen bieten beide eine schöne Aussicht und sind mit Spazierwanderwegen und Aussichtspunkten erschlossen.

Noch eine kleine Ergänzung aus der Kategorie "unnützes Wissen":
Einem Vergleich zufolge, ist in den Württemberger Terrassenlagen so viel Steingewicht verbaut, wie bei den Pyramiden von Gizeh.

Terroir

Die Böden haben einen besonderen Einfluss auf den Wein. Stark wechselnde geologische Verhältnisse – vom schweren Gipskeuper über Löss, Muschelkalk sowie Sandstein bis Vulkanstein – prägen die Stilistik des Württemberger Weins entscheidend.
 

Samtige Blätter, rubinrote Tropfen – die Geschichte des Schwarzrieslings

Der Schwarzriesling – in Frankreich als Pinot Meunier bekannt, bei uns liebevoll „Müllerrebe“ genannt – gehört zur großen Burgunderfamilie. Auch wenn sein Name es vermuten lässt: Mit Riesling ist er nicht verwandt. Doch wie dieser trägt er Trauben von ähnlicher Form und zeigt sich mit einem späten Austrieb – ein Vorteil, der ihn gut vor den frostigen Nächten im Mai schützt.

Seine Geschichte reicht weit zurück. Wahrscheinlich entstand er schon vor Jahrhunderten als eine stille Mutation des Spätburgunders. Charakteristisch sind die samtig behaarten Blätter, vor allem an den Unterseiten und Triebspitzen. Sie wirken wie mit feinem Mehl bestäubt – daher auch der Name „Müllerrebe“.

Im Weinberg zeigt sich der Schwarzriesling genügsamer als manch anderer Burgunder. Auf Löss- und Lehmböden, wie sie rund um Lauffen am Neckar typisch sind, fühlt er sich besonders wohl. Hier findet er nicht nur die richtige Struktur, sondern auch beste Voraussetzungen, um seine Eleganz zu entfalten.

Obwohl die Sorte deutschlandweit nur knapp zwei Prozent der Rebfläche einnimmt – rund 1.600 bis 2.200 Hektar – schlägt ihr Herz eindeutig in Württemberg. Über drei Viertel aller Schwarzriesling-Reben wachsen hier. Und Lauffen am Neckar darf sich mit Stolz als eine der wichtigsten Gemeinden für diese Rebsorte bezeichnen. Von hier aus wurde der Schwarzriesling seit Beginn des 20. Jahrhunderts durch sorgfältige Klon-Selektion geprägt und in seiner Qualität gesichert. 

In Frankreich spielt der Schwarzriesling unter seinem Namen Pinot Meunier eine zentrale Rolle bei der Herstellung von Champagner. Er ist eine der drei zugelassenen Rebsorten – neben Chardonnay und Pinot Noir – und macht etwa ein Drittel der Rebfläche in der Champagne aus. Auch in Württemberg wird Schwarzriesling für hochwertige Winzersekte verwendet, etwa in der Form von Blanc de Noir. Mit ihrer feinen Perlage, eleganten Frucht und klaren Struktur zeigen diese Sekte, dass der Schwarzriesling auch hier eine Qualität entfalten kann, die dem Champagner in nichts nachsteht 

Im Glas zeigt sich der Schwarzriesling charmant und vielseitig. Er duftet nach Kirschen, Johannisbeeren, manchmal auch nach dunkleren Früchten. Rubinrote bis ziegelrote Farben schimmern im Licht, je nach Ausbau mal leicht, mal tief. Vom trockenen Rotwein über fruchtig-süße Varianten bis hin zu Spezialitäten wie Schillerwein oder Weißherbst – er überrascht immer wieder mit seiner Vielfalt.

Und so erzählt jeder Schluck Schwarzriesling auch ein Stück Lauffener Geschichte: von Böden, die seit Jahrhunderten Weinstöcke tragen, von Menschen, die mit Geduld und Hingabe kultivieren, und von einer Rebsorte, die hier vielleicht ihr schönstes Zuhause gefunden hat.